"Die Weihnachtsgeschichte" - Unser Special
Charles Dickens' "Weihnachtsgeschichte" ist allgemein bekannt - sicher hat jeder davon gehört und die Filme werden zur Advents- und Weihnachtszeit oft im Fernsehen gezeigt. In diesem Special widmen wir uns dem Originalwerk, das von Charles Dickens verfaßt wurde und aus diesem viele verschiedene Variationen in Filmen, Musicals etc. entstanden sind.
Über den Autor
Der englische Schriftsteller (7. Februar 1812 - 9. Juni 1870) hieß mit vollem Namen Charles John Huffam Dickens und ist einer der meistgelesenen Schriftsteller der englischen Literatur.
Er war das zweite von acht Kindern, sein Vater war Büroangestellter in Portsmouth. 1823 kam sein Vater ins Schuldgefängnis in London, weil er seine Familie durch die gesteigerten Lebenshaltungskosten nicht mehr ernähren konnte. Die restliche Familie zog mit ins Gefängnis, abgesehen von Charles, der für seine
Familie den Unterhalt verdiente. Seine Erfahrungen in dieser Zeit verarbeitete er in verschiedenen Büchern, zum Beispiel David Copperfield. Er unterbrach dafür seinen Schulbesuch, den er nach der Entlassung seines Vaters aus dem Gefängnis wieder aufnehmen konnte. Als Schreibkraft bei einem Rechtsanwalt studierte er Menschentypen und und betrieb daneben im Britischen Museum literarische Studien.Ab 1931 arbeitete Dickens als Journalist; als Schriftsteller wurde er in den Jahren 1836-37 mit Fortsetzungsgeschichten in den monatlich erscheinenden Pickwick Papers und in Zeitungen bekannt.
Dickens wollte mit seinen Werken abgesehen vom literarischen Erfolg das Gewissen seiner Zeit wachrütteln und machte sich für soziale Reformen stark.
Im Jahr 1836 heiratete er Catherine Hogarth, trennte sich jedoch 22 Jahre später von ihr; das Paar hatte 10 Kinder.
Charles Dickens starb an den Folgen eines Schlaganfalls und wurde am 14. Juni in der Westminster Abbey beigesetzt.
Das Buch
Der Roman "A Christmas Carol in Prose" mit dem zweiten Titel Being a Ghost Story in Christmas (deutsch: "Die Weihnachtsgeschichte in Prosa" bzw. "Eine Geistergeschichte zum Christfest") wurde von Charles Dickens im Jahr 1943 verfaßt mit der Absicht, die Aufmerksamkeitimg des Lesers auf die Not der Armen in
England zu lenken und die Mißstände in England im 19. Jahrhundert zu verdeutlichen. Am 19. Dezember wurde das Buch mit Zeichungen von John Leech veröffentlicht.Im Erscheinungsjahr geriet Dickens in Geldnot. Außerdem hatte der Verleger keine finanziellen Mittel zur Veröffentlichung des Buchs, so daß Dickens den Druck selbst bezahlen mußte. Obwohl das Buch innerhalb kurzer Zeit zum Renner wurde, verdiente er nicht daran, weil es zum einen in England kein Urheberecht gab und das Buch als Raubdruck vertrieben wurde, zum anderen kosteten Dickens die Gerichtsverhandlungen gegen die Verantwortlichen so viel, wie er mit dem Buch eingenommen hatte.
Handlung des Buchs
Die Weihnachtsgeschichte ist in fünf Strophen ("Staves") unterteilt, damit es zum Titel paßt - ein "Christmas Carol" ist ein Weihnachtslied.
Strophe 1: Marleys Geist
Am Heiligabend, genau 7 Jahre nach seinem Tod besucht Marley als Geist seinen
früheren Freund und Geschäftspartner Ebenezer Scrooge, der das gemeinsame Warenhaus nun alleine führt; sein Sekretär Bob Cratchit ist sein einziger Angestellter. Diesem gönnt der geizige Scrooge nicht einmal einen freien Tag am Weihnachtstag und bezahlt ihn auch sonst sehr schlecht; auch zwei Herren, die Spenden für die Armen sammeln, werden von ihm abgewiesen. Er erwidert nicht einmal die Weihnachtsgrüße seines Neffen Fred und will ihn auch nicht am Weihnachtstag besuchen kommen.Als Scrooge nach der Arbeit nach Hause kommt, besucht ihn Marley, der mit einer Kette mit Geldbehältern als Anhängern behangen ist. Marley, der um seinen früheren Freund besorgt und laut seinen Worten mit einer noch längeren Kette behangen ist, will ihn vor seinem Schicksal bewahren, wie er selbst als Geist nichts mehr Gutes tun zu können und kündigt die Ankunft von drei Geistern an. Die Strophe endet damit, daß sich Scrooge schlafenlegt.
Strophe 2: Der erste Geist
Der erste Geist erscheint mitten in der Nacht - Scrooge kann nicht sagen, ob es ein Kind oder Greis ist. Er führt Scrooge in dessen Vergangenheit, wie er damals Weihnachten gefeiert hat. Als Kind verbrachte Scrooge Weihnachten fast immer in der Schule, doch einmal darf er auf Bitten seiner Schwester Fanny - die früh verstorbene Mutter seines Neffen Fred - zu Hause feiern.
Später feierte er bei seinem Lehrmeister Mr Fezziwig Weihnachten, doch richtig erschüttert ist er erst, als er seine große Liebe des Geldes wegen fallenließ, die später ein fröhliches Familienleben hat und mitbekommt, wie Scrooge um seinen Geschäftspartner Marley trauert, als dieser gestorben ist.
Strophe 3: Der zweite Geist
Der Geist der diesjährigen Weihnacht erklärt, daß es jedes Jahr einen neuen gibt. Dieser Geist ist ein fröhlicher, beleibter Mann mit einer Stechpalmenkrone im Haar, der sich Scrooge inmitten von Köstlichkeiten zeigt.
Mit dem Geist besucht er das Weihnachtsfest seines Sekretärs Tom Cratchit und dessen Familie, das trotz aller Armut sehr fröhlich ist. Der Geist zweifelt daran, daß es Tim, der jüngste und verkrüppelte Sohn der Familie noch lange zu leben hat. Zum ersten Mal zeigt Scrooge Mitleid und damit eine Änderung seines Charakters.
Als sie die Feier von Scrooges Neffen Fred besuchen, macht der sich über Scrooge und sein Verhalten lustig. Zum Schluß präsentiert der Geist Scrooge die Kinder "Unwissenheit" und "Mangel" - Kinder der Menschheit, die Scrooge nicht aufnehmen möchte.
Der Geist beschämt Scrooge mit dessen eigenen Aussagen gleich zweimal: Tims Tod sei nicht schlimm, weil er die Überbevölkerung vermeidet, und die beiden Kinder können in Gefängnissen und Arbeitshäusern unterkommen, wie Scrooge den Männern mitgeteilt hatte, die ihn um eine Spende für die Armen baten.
Strophe 4: Der dritte Geist
Der dritte Geist in einem langen schwarzen Gewand mit Kapuze redet nicht; Scrooge weiß allein durch Marleys Ankündigung, daß er der Geist der zukünftigen Weihnacht sein muß. Dieser zeigt Scrooge mit dem Finger seiner Hand, die Scrooge als einziges von seinem
Körper sieht, das Leben verschiedener Menschen nach Scrooges Tod. Scrooge will das erst einmal nicht wahrhaben, bis der Geist ihm an Ende seinen Grabstein zeigt. Zuerst erfährt man, daß der Tote unbeliebt war, daß niemand mit ihm zu tun haben wollte und die Gegenstände aus seiner Wohnung gestohlen wurden, sogar die Bettvorhänge und das Totenhemd. Ein Ehepaar ist über Scrooges Tod erleichtert, weil es Schulden bei ihm hat; unterdessen wird bei den Cratchits der kleine Tim betrauert, der gestorben ist. Scrooge erwacht am Ende der Strophe, als sich der Geist in seinen Bettpfosten verwandelt hat, nachdem er ihn angefleht hat, daß das Ende nicht eintreffen soll, wie es der Geist gezeigt hat.Strophe 5: Das Ende
Scrooge hat folgendes erkannt: „Die Wege der Menschen deuten ein bestimmtes Ende voraus, auf das sie hinführen, wenn man auf ihnen beharrt. Aber wenn man von den Wegen abweicht, ändert sich auch das Ende.“
So hat er sich durch das Erlebnis mit den Geistern über Nacht sehr verändert: er schickt am Weihnachtstag den Cratchits einen Truthahn, der so groß ist wie Tim und feiert bei seinem Neffen Fred Weihnachten. Er entschuldigt sich bei den Herren, die ihm am Tag vorher um eine Spende für die Armen bitten wollten und läßt ihnen einen großzügigen Beitrag zukommen.
Am Tag darauf feiert er noch mit seinem Sekretär Weihnachten nach und gibt ihm eine Gehaltserhöhung.



