Kinokritik zu "Sherlock Holmes"

von Emmily Green am 05.03.2010
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"Sherlock Holmes" ist so ziemlich jedem Menschen auf der Erde ein Begriff. Guy Ritchie hat es gewagt, sich an eine Verfilmung der Bücher von Arthur Conan Doyle heranzutrauen. Seit dem 28. Januar läuft der Film nun auch mit Erfolg in den deutschen Kinos.


Die Handlung

Der Privatdetektiv Sherlock Homes (Robert Downey jr.) schafft es grade noch rechtzeitig zusammen mit seinem Gehilfen Watson (Jude Law), Lord Blackwood (Mark Strong) vom Mord an einer jungen Frau abzuhalten. Der okkulte Lord hatte zuvor schon fünf Frauen ermordet und wird gehängt. Bevor er stirbt warnt er Holmes noch, dass der Tod sein Treiben nicht aufhalten kann. Einen Tag später wird er von Watson für tot erklärt.
Ein paar Wochen danach erhält Holmes Besuch von seiner verschwundenen Geliebten Irene Adler (Rachel McAdams), die ihn auf einen neuen Fall ansetzt. Er soll einen verschwundenen Kleinwüchsigen finden. Doch noch bevor er damit anfangen kann, schickt Scotland Yard nach ihm: Blackwood wurde gesehen, wie er über den Friedhof wandelte. Sein Grab ist aufgebrochen. Und in seinem Sarg liegt der Mann, nach dem Holmes grade suchte.
Holmes und Watson suchen die Wohnung der Leiche auf, werden da aber in eine Schlägerei verwickelt, die dazu führt, dass sie ein Schiff in der Themse versenken. Sie kommen ins Gefängnis. Watsons Kaution wird von seiner Verlobten gezahlt, Holmes wird durch den "Tempel der vier Orden" befreit. Dessen Vorsitzender ist der Vater von Lord Blackwood und sie wollen nur eins von Holmes: dass er Blackwood aufhält. Doch dann wird der Vorsitzende umgebracht und Blackwood kommt durch einen Putsch an den Vorsitz. Zu spät wird Holmes klar, dass er es nicht mit einem Geist zu tun hat, er muss mit der Zeit im Nacken versuchen, den irren Lord aufzuhalten.


Die Kritik

"Sherlock Holmes" ist ein Film, der verschiedene Interessen verbindet. Eine intelligent entwickelte Detektivgeschichte trifft auf einen Actionfilm. Geballter Wortwitz trifft auf schlagkräftige Explosionen. Das London des 19. Jahrhunderts wird von Okkultismus und Technik heimgesucht. Und der Einzige, der es schafft, in diesem ganzen Wirrwarr den Überblick zu behalten, ist Sherlock Holmes. Ein ganz anderer Sherlock Holmes, als man ihn aus den Klassikern gewohnt ist.

Nein, Sherlock Holmes ist kein respektierlicher alter Herr, der mit einer überdurchschnittlichen Kombinationsgabe Fälle ohne viel Aufhebens löst. Er ist vielmehr ein zutiefst kaputter, schlägerischer, durch seine Intelligenz gestrafter, komischer (wenn auch durchtrainierter) Kauz in den 40ern. Er ist cool.
Watson ist so liebenswürdig wie immer. Und wenn sich die beiden begegnen, können sie den Zuschauer nicht nur zu der Auffassung bringen, dass sie die perfekten Verbrechensbekämpfer sind. Sie bringen sie auch dazu, sie gern zu haben.
Denn dieses ungleiche Paar, das sich aus tiefer Zuneigung ständig kabbelt, hat es einfach drauf, auf der Leinwand präsent zu sein.

Was nicht zuletzt an den Schauspielern liegt. Robert Downey jr. meistert den Sherlock Holmes in allen Lebenslagen. Ob der Mann grade Violine spielt und Fliegen fängt oder einen Gegner aus dem Gefecht setzt, er verliert nie seine Maske. Er spielt den Sherlock Holmes, der er gewesen wäre. Keinen einfachen Charakter, sondern einen zutiefst komplexen, den komplexesten in dem Film. Auch die anderen Schauspieler wirken nicht aufgesetzt, sie gehören genauso in den Film wie die riesigen Schnurrbärte und Seidenkleider. Die hochkarätige Besetzung zahlt sich aus.

Genauso wie die viel Drehbuchautoren, die an der Story gearbeitet haben. Viele Details sind aus den ursprünglichen Büchern übernommen, die Geschichte passt zusammen. Genau wie bei jedem guten Kriminalroman klärt sich am Ende alles zutiefst logisch auf. Erst, wenn man den Film zum zweiten Mal schaut, fällt einem selbst die Lösung auf. Lauter kleine Bausteinchen, Szenen, die man erst einmal als unbedeutend abschreibt, passen am Ende in das große Puzzle. Und auch wenn wir Sherlock Holmes ganz anders kennen, er behält immer noch die Eigenschaft, dieses Mosaik zusammenzusetzen.

Abgesehen davon nutzt er seine Kombinationsgabe auch, um seine Gegner auszuschalten. Das führt dazu, dass man einige Actionszenen tatsächlich nachvollziehen kann. Sieht man sich andere Filme an, gibt es hier und da ein paar Schläge, die man alle gar nicht mitbekommt. Bei "Sherlock Homes" ist das anders. Sein Gedankengang wird in Zeitlupe vorgespielt und am Schluss liegt der eine oder andere bewusstlos auf dem Boden und man weiß, wie der Mann das hinbekommen hat. Schön ist, dass es hier mal nicht Pistolen, Gewehre oder Ähnliches gibt, sondern der gute alte Faustkampf ganz groß geschrieben wird. So kommen selbst die Hartgesottensten auf ihre Kosten.

Die Effekte sind dagegen leider nicht so gut, oft fällt einem das CGI schon von weitem auf. Wenn man das nicht groß schreibt, ist das aber wirklich nicht schlimm. "Avatar"-Fans könnten das anders beurteilen. Dafür glänzt das Szenenbild, für das es sogar eine Oscar-Nominierung gibt.

Die Musik ist absolut beeindruckend. Hans Zimmer, der schon Filmmusik für "Fluch der Karibik" und "The Dark Knight" komponiert hat, glänzt mit herausragender Qualität. Musikinteressierte kann so oft ein Schmunzelt aufs Gesicht gelockt werden, beispielsweise bei dem Boxkampf.


Fazit

Für jeden, der sich mit der Vergangenheit in Rüschen anfreunden kann und endlich mal wieder eine intelligente, ausgefallene Handlung erwartet, ist der Film ein Muss. Wegen der Effekte oder weil man einen gewohnten Sherlock Holmes erwartet, muss man ihn nicht unbedingt anschauen.
Meiner Meinung nach ist der "neue" Sherlock Holmes jedoch viel interessanter und verdient auf jeden Fall seine Oscars für das Kategorien Beste Szenenbild und die Beste Filmmusik ohne Kompromisse.
Es ist ein Film, der aus dem großen Teich der kleinen Fische eindeutig raushüpft.
Bewertung unserer Redaktion
Gesamtwertung:
9 von 10 Punkten

Handlung und Umsetzung:
5 von 5 Sternen!
Effekte:
3 von 5 Sternen!
Spaßfaktor:
5 von 5 Sternen!
Unsere Redaktion meint
"Für jeden, der sich mit der Vergangenheit in Rüschen anfreunden kann und endlich mal wieder eine intelligente, ausgefallene Handlung erwartet, ist der Film ein Muss."
Film-Hintergrundwissen

Sherlock Holmes 1

  • Termin: 28.01.2010
  • Genre: Abenteuer-Thriller
  • Regie: Guy Ritchie
  • Drehbuch: Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg, Lionel Wigram

Weitere Informationen zum Film


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