Kinokritik zu: "Der Mitternachtszirkus"
von Emmily Green am 14.01.2010Artikel
Pro/Contra
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Als ich zum ersten Mal von „Mitternachtszirkus – Willkommen in der Welt der Vampire“ gehört habe, ging mir durch den Kopf, dass das nur ein weiterer Vampirfilm ist, der in der „Twilight“-Welle mitschwimmt. Dass der Film so gar nichts mit der beliebten Saga zutun hat, wird einem aber schnell klar.Die Story
Der Teenager Darren Shan (Chris Massoglia) ist gut in der Schule, beliebt, ein Mustersohn, interessiert sich für Spinnen – er führt ein total normales, langweiliges Leben zusammen mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester. Bis eines Tages ein Flugblatt, das für den Cirque du Freak, eine Freakshow, seinem besten Freund Steve (Josh Hutcherson) und ihm vor die Füße flattert. In dem Mitternachtszirkus treffen sie auf einen ganzen Haufen von Menschen mit besonderen Fähigkeiten, unter anderem auf Larten Crepsley (John C. Reilly), in dem Steve einen Vampir erkennt.
Darren ist aber viel interessierter an dessen Spinne. Eines kommt zum Anderen und plötzlich befindet sich die Spinne in einem Käfig in Darrens Rucksack. Steve entdeckt sie dort und wird von ihr gebissen. Um das Leben seines besten Freundes zu retten, wird Darren daraufhin zum Halbvampir und wohnt im Winterquartier des Cirque Du Freak. Doch auch das Böse ruht nicht: in der Gestalt von Desmond Tiny versucht es, Darrens Welt auf den Kopf zu stellen. Denn nicht alle Vampire sind gut. Ihre bösen Vettern, die Vampyre töten immer noch und haben Steve auf ihre Seite gezogen.
Die Kritik
Der Film wurde als gute Alternative zu den aktuellen Vampirfilmen angekündigt. Im Mittelpunkt stehen Freundschaft, der Kampf zwischen Gut und Böse und die „Freaks“ – die im Grunde ganz normale Menschen mit ein paar besonderen Fähigkeiten sind. Liebe gibt es natürlich auch, allerdings werden einzelne Romanzen nur angeschnitten.
Am Anfang des Films erfährt man das Wesentliche über die Personen; zwar ist Darren die Hauptfigur, aber viel mehr als in diesen zwei Minuten findet man im restlichen Film nicht über ihn heraus. Man kann seinen Charakter zwar gut nachempfinden, ihm fehlt aber etwas an Tiefe. Steves Wesen ist da komplexer, was sich aber auch nicht deutlich zeigt.
Erst als die beiden die Freakshow besuchen, findet der Zuschauer richtig Spaß am Film.
Mit Spezialeffekten, die es schaffen, die Illusion aufrecht zu erhalten, wachsen Arme nach und Salma Hayek bekommt plötzlich einen Bart. Auch Crepsleys Spinne ist niedlich entworfen. Auf dem Zeltplatz des Mitternachtszirkus lernt Darren noch mehr außergewöhnliche Wesen kennen, so auch die bissigen Zwerge, die ihren Meister Mr. Des Tiny vergöttern. Dieser, von Michael Cerveris gespielte, Meister über das Schick-sal (Na, fällt das Wortspiel auf?) ist ein überzeugender Bösewicht, bei dem man schon mal Gänsehaut bekommt.
Unterstützt wird er von dem finsteren Murlaugh und Steve, die beide einfach nur typisch böse sind. Crepsley und Darren kauft man ihre Rollen ebenfalls ab, als besonderes Sahnehäubchen begegnet man im Laufe des Films zusätzlich noch Willem Dafoe („Spider-Man“) und Salma Hayek.
Der Film und das Buch
Für Fans der Bücher ist der Film zwar etwas, dennoch sollte man mit seinen Erwartungen aufpassen. Im Film wurden einige sehr große Änderungen vorgenommen, er hält sich zwar noch an ein paar Eckpfeilern fest, erinnert sonst aber nur sehr diffus an die eigentliche Geschichte. Einige Abänderungen, wie etwa Darrens blaue Haare braun zu machen und die ersten drei Bücher „zusammenzufassen“, sind zwar nachvollziehbar, aber es wäre schöner gewesen, wenn sie sich doch noch mehr an den Büchern orientiert hätten.
Fazit
Insgesamt ist „Der Mitternachtszirkus“ ist ein kurioser und sehr humorvoller Film, vielleicht nicht einer der Besten, aber eine gelungene Beschäftigung für einen regnerischen Nachmittag. Wer genug von überschäumender Romantik und goldäugigen Vampiren hat, ist hier genau richtig.
Wer sich aber nach einer tieferen Handlung, komplexen Charakteren, einem neuen Plot und einer abgeschlossenen Geschichte sehnt, wird enttäuscht: noch ehe die wirkliche Geschichte anfängt, hört der Film auf.
Restliche Fragen können nur in einem zweiten Teil geklärt werden, der aber hinsichtlich des kommerziellen Misserfolgs wahrscheinlich ausbleiben wird.